Suche
Suche Menü

Bildungsparcours: Flucht und demokratische Perspektiven in Europa

1. Ziele und Inhalte

Im Rahmen von verschiedenen Partizipationsprojekten des letzten Jahres des Trägers DorfwerkStadt e.V. erklärten Jugendliche und aktive Einwohner*innen, dass es notwendig ist, andere Bildungsformen im Themenfeld „Geflüchtete“ zu entwickeln. Jugendliche schlugen vor, außerhalb des regulären Unterrichts eine außerschulische Bildungsform zu entwickeln, die ein aggressionsfreies Lernen und Austauschen über dieses Thema ermöglicht. Ähnliches vermeldeten die aktiven Einwohner*innen über Einwohner*innen Ortsversammlungen zur Vorbereitung von Unterkünften für Geflüchtete in ihren Wohnumfeldern.
Auf dieser Grundlage entstand (in Kooperation mit den aufgeführten Partner*innen) die Projektidee des Bildungsparcours. Diese Form der politischen Bildung wirkt deeskalierend und fordert in allen Bereichen des Körpers und der Sinne eine Eigentätigkeit zur Erschließung von Inhalten. Diese Methode der politischen Bildung sieht die Zielgruppe als Ko-Konstrukteure von Wissen und initiiert kommunikative Prozesse. Das Einbinden von Kunstobjekten, Bildern, Collagen, Installationen und Musik in diesen Parcours will die kreativen Potentiale der Zielgruppe erschließen.
Ziele des Projekts
 Innovative Formen der politischen Bildung mit der Zielgruppe entwickeln
 Vermittlung von Fluchtursachen- Wege zum konkreten, demokratischen Handeln aufzeigen und suchen
 Wie könnte im Sinne der Menschenrechte eine freie humane Welt gestaltet werden?
 Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es im Selbstverständnis der Parcoursteilnehmer_innen?
 Wie lassen sich gemeinsam Utopien und Handlungsfelder verfolgen, um gegenseitigen Vorbehalten etwas entgegen zu setzen ( Beispiel Einwohner*innenversammlungen)
 Begriffschaos zu sogenanntem IS, Islamisierung, Islam, Muslime,… klären
 Neue Akteure für integrative Demokratie aktivieren
 Europas Chancen und Ziele für alle transparent und teilhabbar darstellen
 Kunst als Integrations- und Kommunikationselement nutzen

2. Die Methode

Parcours bezeichnet eine Fortbewegungsart, deren Ziel es ist, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Der /die Parcoursläufer_in bestimmt seinen/ihren eigenen Weg durch den urbanen oder natürlichen Raum – auf eine andere Weise als von Architektur und Kultur vorgegeben. Es wird versucht, die sich in den Weg stellenden Hindernisse durch Kombination verschiedener Bewegungen so effizient wie möglich zu überwinden. Bewegungsfluss und -kontrolle stehen dabei im Vordergrund. Parcours wird deshalb auch als „Kunst der effizienten Fortbewegung“ bezeichnet. Dieses Prinzip wird auf Bildung übertragen:
Bei diesem Bildungsparcours geht es darum, ganzheitlich mit allen Sinnen einem eigenen Gedankenweg durch die verschiedenen realen Hindernisse zu einer solidarischen Gesellschaft mit dem Ziel der Integration von Geflüchteten zu gelangen. Gedankenfluss und Kreativität, ungewöhnliche Sichtweisen stehen damit im Vordergrund. Die Zielgruppen des Projektes (müssen) werden durch den Parcours angeregt, aktiv, kreativ und unkonventionell neue Wege im Sinne einer Umgangskultur für “unsere neue Gesellschaft“ zu finden.
Die Zielgruppe erhält am Anfang des Parcours den Auftrag 8 Lösungen zu finden, um am Ende diese miteinander auszutauschen.
Dauer des Parcours
2 Stunden für 15-25 Personen. 3 Parcours pro Tag. 6 Parcours für jede Region.
Die Grundthemen des Bildungsparcours:
1. Wer flüchtet? Gründe der Fluchtbewegungen – was kann getan werden, z.B. Gelder für die Flüchtlingslager in der Türkei, umfangreiche Bildungsmaßnahmen, neue Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik zur Unterstützung der betroffenen Regionen, …
2. „Ein Haus in Europa für alle“ – Gesetze, die die Integration in Europa möglich machen und stabilisieren, die „Straße der Menschenrechte“ (was sind diese, wie können sie gesichert werden, wie kann das Individuum und die Gesellschaft diese leben?)
3. Der kommunale Kollaps und die Schöpferkraft des Chaos. Die Chaostheorien als Innovationskraft für reformbedürftige Kommunen (Planning for Real Ansätze, Charetteverfahren, Community organizing-Formen,…)
4. Dem“ Drachen Demographie“ mit Newcomern begegnen. Wo brauchen wir Einwanderer_innen, was brauchen die Einwanderer_innen, damit es eine win-win-Situation wird (Kooperatives Denken und Handeln mit den KMUs der Region)
5. „Diversity – die Welt lebendig gestalten. Methoden zum besseren gegenseitigen Verständnis. Diversity macht Spaß – Ausprobieren von Methoden
6. Die Mauer! Wo sind Mauern, Hindernisse, Verständnisprobleme, und was sind unsere Grundpfeiler in Deutschland?
7. Begriffsklärung: Was ist Islam, sogenannter IS, Islamisierung, Muslime?
8. Ideen, Ideen, Ideen: Wer zur Quelle will muss gegen die Strömung schwimmen

Jedes Parcourselement besteht aus einer künstlerischen Ausdruckform (Collage, Bilder, Fotos, Filme, Skulpturen, Musik, Hörspiele) und Elemente aus den kognitiven Formen der Vermittlung von Wissen (Grafik, Tabelle, Zitate, Gesetze, politische Beschlüsse, Ideologiedefinitionen). Durch Parcoursaufträge werden sich die Zielgruppen durch Wissens-, Kultur- und Politiklandschaften bewegen, um Auftrage zu erfüllen. Am Ende sollen die Teilnehmer_innen sich ihre Ergebnisse gegenseitig präsentieren. Die neuen Sichtweisen und Ideen der Teilnehmer_innen werden in den Parcours integriert. Somit gestalten die Teilnehmer*innen den Parcours über die Laufzeit hinweg mit, er wächst.

3. Die Phasen des Projekts / Zeitplan

1. Auftragsklärung und Kooperationsgrundlagen schaffen mit allen Partner*innen in einem gemeinsamen Anfangsworkshop: April 2016
2. Ausarbeitung der Grundpfeiler des Parcours mit Künstler_innen und Erlebnispädagog_innen aus den Regionen: April – Juni 2016
3. Ausarbeitung der Parcours-Elemente: Juni – August 2016
4. 10 Parcours-Tage in 5 Regionen und Städten: September – Dezember 2016
5. 5 Begegnungs-/Ideenwerkstätten: September – Dezember 2016
6. Das Evaluationsteam arbeitet die neuen Ideen in den Parcours ein: September – Dezember 2016
7. Der gemeinsame Abschlussworkshop mit allen Regionen und Akteuren und die Vernetzung der aktiv gewordenen neuen Zielgruppen: Dezember 2016

4. Zielgruppen des Projekts

 Jugendliche von 12 – 20 Jahren
 Einwohner*innen der sich beteiligenden Gemeinden