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Projekt: Sichtweisen von jungen unbegleiteten weiblichen Flüchtlingen

Wie sehen junge unbegleitete weibliche Flüchtlinge ihre Vergangenheit, die Gegenwart und was wollen/ brauchen sie für ihre Zukunft?
Kleine Forschungsstudie: Nicht über – sondern mit geflüchteten unbegleiteten Mädchen

Der größte Teil der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten sind Jungen, und in der (fach-)öffentlichen Debatte sind Mädchen selten im Blick. 2013 waren insgesamt nur 17% der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge Mädchen, in der zahlenmäßig am stärksten vertretenen Gruppe der 16-18-Jährigen sogar nur 9,5%. Zudem gibt es kaum Empirie zur Situation der geflüchteten Mädchen.

Zielgruppe des Projekts
10 Junge weibliche unbegleitete Flüchtlinge aus den Koordinierungsstellen Potsdam und Prignitz die Lust und Interesse haben an diesem Projekt teilzunehmen.
Planungsstruktur
 Einbindung der Projektidee in die Geflüchteten Koordination Potsdam und Prignitz (April 2016)
 Treffen mit den jungen Geflüchteten, Vorstellung des Projekts, Vorstellung der Methode Stadtspiel, Sammlung der Ideen der Geflüchteten, Gruppeninterviews zu den Wünschen der Integration in Brandenburg, in Form einer Werkstatt (Mai 2016)
 Durchführung des Stadtspiels an den Orten die sich die Geflüchteten wünschen. Fragestellungen an die Geflüchteten während des Stadtspiels und sozialräumlichen Aneignungsmethoden ( Juni 2016)
 Dokumentation mit einem Filmteam (Juni 2016)
 Auswertung der Ergebnisse mit den UMAS ( Film und Interviews des Stadtspiels) (Juni-August 2016)
 Einzelinterviews mit 8 UMAS zu den Themen Flucht, Situation in den Unterbringungen, Visionen, gute Ideen für die Zukunft (Juni –August 2016)
 Auswertung der Interviews (als schriftliche Vorlage) September 2016
 Auswertung der Interviews mit den UMAS um Handlungsfelder und Hauptlinien zu bestimmen (Oktober 2016)
 Grobschnitt mit den UMAS für den Doku Film (August- September 2016)
 Erstellung einer gemeinsamen Vision aus den Ergebnissen der Befragungen, des Films, der Einzelinterviews für die politische Ebene und den Fachleuten der Jugendhilfe (September- November 2016)
 Erstellung einer Dokumentation (Oktober- Dezember 2016)

Ziele der Erhebung
 Beteiligung der UMAS an den zu entwickelnden Strukturen und Maßnahmen zum Aufbau von Integrationsstrukturen in der Jugendhilfe
 Beteiligung der UMAS als „Expertinnen“ für die politische Ebenen zur Vorbereitung von politischen Entscheidungen
 Fragestellungen zu den Motivationen der Flucht und Vorstellungen über Deutschland können die Methoden des Umgangs für Mitarbeiter_innen der Jugendhilfe erleichtern
 Aufbau von Empowerment der UMAs für neue Wege im Hilfesystem und neue Methoden des Kennenlernen von dem Aufnahme Bundesland
 Neue Sichtweisen zur Integration von UMAS in Schul- und Ausbildungssysteme und Synergiemöglichkeiten mit anderen Feldern der Jugendhilfe ( Jugendarbeit usw.)
 Transfer der Ergebnisse in die Qualifizierung von Mitarbeiter_innen der Jugendhilfe und an die fachpolitischen Ebenen in Brandenburg
 Wie kann die Beteiligung der Mädchen in Brandenburg strukturell verankert werden?
Wie sieht es mit den Fluchtgründen aus? Welche Bilder haben wir im Kopf und was entspricht der Realität?
 Was wissen wir über mädchenspezifische Erlebnisse (bspw. sexueller Gewalt) auf dem Fluchtweg?
 Mit welchen Erwartungen (gesellschaftlich, familiär, kulturell) ist die Flucht verbunden und wie unterscheiden sich diese von den Erwartungen an Jungen?
 Ist vielleicht die Kluft zwischen den – emanzipatorischen – Erwartungen in der Jugendhilfe und den Erwartungen des familiären und kulturellen Umfeldes bei den Mädchen größer als bei Jungen? Inwiefern?
 Ist es eher so, dass diese Mädchen „nicht so auffallen“ wie die Jungen? Dass sie aber auch langsamer Vertrauen fassen?
 Was möchten die Mädchen für Bildungsmaßnahmen um dieses Land und seine Menschen kennen zu lernen?
 Wie können diese Mädchen besser sich einleben?
 Wie können nachhaltig die Beteiligungsstrukturen aussehen um die Sichtweisen der Zielgruppe weiter in die Verfahren der Jugendhilfe einzubinden?
Wichtig ist zu gewährleisten dass aus der Interaktion von Flüchtlingen und Forschenden keine Gefahren für die Geflüchteten entstehen; während und nach der Feldforschung u.a. auf die anonymisierte Nutzung der erhobenen Daten.

Die Forschungsmethode – die sanfte Methode
In der Aktionsforschung – action research – versuchen Forscher*innen und Untersuchte gemeinsam, die untersuchten Probleme und Fragestellungen der Untersuchung zu klären und zu lösen. Dieser Forschungsansatz beschäftigt sich meist inhaltlich mit sozialen Problemen und Interventionen in der Praxis, bei dem er die Betroffenen zu aktiven Mitbeteiligten am Forschungsprozess macht. Kennzeichnend ist, dass auch die Grenze zwischen Alltagshandeln und Forschung verschwimmt und Betroffene und Forscher gemeinsam die Ziele der angestrebten Veränderung definieren und über die Methoden zur Zielerreichung entscheiden. Dadurch wird auch das klassische Verhältnis des Forschers zu seinem Forschungsgegenstand, das Subjekt-Objekt-Modell der Forschung, aufgehoben und durch ein Subjekt-Subjekt-Modell ersetzt, d. h., Forscher und Untersuchte sind gleichberechtigte Kooperationspartner. Bei der Problemlösung wechseln Phasen der Forschung und der Aktion, also der Umsetzung von Änderungsmaßnahmen einander ab. In der Regel findet also ein Wechsel zwischen Beobachtungs-(Datengewinnung), Analyse- und Bewertungs-, Feedback- und Aktionsphase statt.
Aktionsforschung als empirischer Forschung kennzeichnen in Abgrenzung zur traditionellen Forschung, insbesondere der experimentellen Forschung, vier wesentliche Prämissen:
 Partizipation: der Forscher ist kein/e Außenstehende/r, objektive/r Beobachter_innen, sondern greift parteilich in den Forschungsprozess ein.
 Kommunikation: zwischen Forscher*innen und Untersuchtem findet ein Austausch statt, sodass die sozialwissenschaftliche Forschung einen gemeinsamen Lernprozess darstellt.
 Interaktion: Sozialwissenschaftliche Forschung weist einen engen Praxisbezug auf, wobei Forscher*innen und Untersuchte versuchen neue gesellschaftliche und soziale Ideen zu entwickeln
 Reflexion: die dialogische Struktur sozialwissenschaftlicher Forschung sorgt für eine wiederholte kritische Überprüfung und gegebenenfalls Revision der Vorgehensweise.

Struktur des Forschungsvorhabens:
1. Gruppeninterview zum Vorhaben und zur Entwicklung der Ideen der Teilnehmer*innen 2. Teilnehmende Beobachtung in den Unterkünften 3. Leitfadengestützte Einzelinterviews 4. Stadtspiel mit Fragen über Werte und Sichtweisen aus beiden Seiten 5. Vorstellung der Ergebnisse mit den Akteur*innen 6. Dokumentation mit Handlungsempfehlungen 7. 30 minütiger Dokufilm in dem alle Akteur*innen den Film mit gestalten und gemeinsam auswerten (Inhalte , Musik, Gestaltung, Perspektiven)

Zeitvorhaben
Von Mai bis Dezember 2016